Türkei: Das Ehe-Business mit den geflüchteten Frauen

Türkei: Das Ehe-Business mit den geflüchteten Frauen


Sherihan kann nicht mehr. Und bricht das Interview mit mir ab. Sie kann einfach nicht mehr auf meine Frage
antworten. Sherian. 27 Jahre. Eine Zweitfrau. Um Frauen wie sie geht es hier. Ich war total … Ich wusste überhaupt nicht
was ich machen soll, ehrlich gesagt. Ich wusste nicht, bleibe ich weiter drin. Ich wusste nicht was in ihrem Kopf vorgeht. Ich wusste nicht, wie ich reagieren soll. Das war schon ‘ne krasse Situation für mich. In türkischen Medien habe ich gelesen, dass immer mehr syrische Frauen wie Ware gehandelt werden. Oft gehen sie als Zweitfrau in eine schon
bestehende Ehe. Ich hab gehört, dass syrische Flüchtlingsfrauen
im Grenzgebiet gedealt werden sozusagen. Und da gibt es so Chiffres, so Codes. Sherihan die wäre mit 25-26 eine Wassermelone. Und es fängt aber bei einer Pistazie an. Eine Pistazie stellt ein 12-16-jähriges Mädchen
dar. Und es geht dann so stufenweise höher und
dann weiß der Mittler sozusagen, was für ’ne Frau der Typ sucht. Das passiert sehr häufig in der Stadt Urfa. Ich bin im Südosten der Türkei nahe der
syrischen Grenze. Eine türkische Frau heiraten: kostet richtig
Asche. Einige tausend Euro, allein das Brautgeld. Eine syrische Frau, ein Flüchtling, kostet
fast nichts. Hauptsache sie ist versorgt. So kann sich fast jeder Mann in Urfa eine
günstige Zweitfrau leisten. Der Krieg in Syrien sorgt für Dumpingpreise
im Hochzeitsbusiness. Ich will Frauen treffen, die als Zweitfrau
in die Ehe eingegangen sind. Will wissen, wie es ihnen ergangen ist. Und das ist Nour, sie kommt aus Syrien. Ist vor fünf Jahren in die Türkei geflohen. Mit ihren drei kleinen Kindern. Jetzt schlägt sie sich allein durch. Arbeitet für eine Hilfsorganisation und übersetzt. Nour hat mir versichert, dass wir Familien
finden. Wir fragen bei dieser Flüchtlings-Familie
aus Syrien nach. Willkommen sind wir überall. Alle kennen das Problem. Aber sie wollen nicht darüber reden. Wir dürfen sie noch nicht einmal zeigen. Nour und ich sind zwei Tage unterwegs. Aber konnten niemanden finden, der vor der
Kamera sprechen will. Hinter der Kamera rechtfertigen aber viele
den Umstand mit der Zweitfrau. Gestern haben wir zum Beispiel versucht
den Ortsvorsteher zu kontaktieren. Und er hat gesagt, ja klar, er hilft uns jemanden
zu finden. In seinem Bezirk gibt es hunderte von Männern
und Familien, die sich eine Syrerin genommen haben. Und jetzt waren wir grad in seinem Büro am nächsten Morgen und jetzt hat er gesagt, nee, so etwas gibt es nicht. Hätte er noch nie gehört. In seinem Bezirk gibt es so etwas überhaupt
nicht. Das ist ein bisschen frustrierend, weil man
weiß, dass man angelogen wird und dass die Leute dieses Problem verleugnen. Eigentlich wäre der Film hier schon zu Ende. Monatelange Recherche umsonst. Aber ich habe doch noch Glück. Über Freunde finde ich jemanden, der über
seine Zweitfrau reden will. Das hier ist Sahin mit seinen Frauen. Die im rosafarbenen Kopftuch ist Zeynep. Seine erste Frau. Sie hat er vor 14 Jahren geheiratet. Die Ehe blieb kinderlos. Die mit dem Kind auf dem Schoß ist Sherihan. Mit ihr ist er seit drei Jahren verheiratet
und sie hat bereits zwei Kinder von ihm. Ich kann mir nicht vorstellen, dass solche
Ehen gut gehen können. Mir ist die Situation irgendwie unangenehm. Es ist ja schon ein persönliches Thema. Er, umringt von seinen beiden Frauen. Im Interview ist auch Sahins Mutter dabei. Ich frage ihn, warum er noch einmal geheiratet hat. Bei Sahin zuhause denke ich zwischenzeitlich
vielleicht ist ja doch alles ok. Vielleicht sind alle glücklich und ich habe
nur Vorurteile gehabt. Klingt ja erst mal ganz harmonisch. Ich erzähle Sahin, dass es Polygamie in Deutschland
nicht gibt. Alles klar. Der Mann will also umsorgt werden, darum geht es. Aber Zweitehen sind eigentlich nicht legal,
werden aber auch nicht mehr bestraft. Für den Staat reicht es, wenn die Frau freiwillig
geheiratet hat. Freiwillig ist ja immer so eine Sache. Viele Frauen heiraten aus Not und Verzweiflung. Ich frage mich, wie geht es Sahins erster
Frau, Zeynep? Zeyneps Bedenken kann ich sehr gut verstehen. Ginge mir wahrscheinlich auch so. Und wie ist es jetzt? Das ist eigentlich nicht so üblich. Oft weiß die Erstfrau gar nichts von der
Zweitfrau. Sie werden verheimlicht. In den Zeitungsberichten, die ich gelesen
hab, hörte sich das auch nicht so harmonisch an. Viele Frauen lassen sich scheiden, häusliche
Gewalt nimmt zu. Deswegen nehme ich Kontakt auf zu Hilfsorganisationen. Einige sagen mir zu und wollen mir die Lage
der syrischen Frauen in Urfa und auch den Handel mit ihnen erklären. Beide NGO’s haben ein Interview verneint. Und haben gesagt, wir können gerade nicht,
wir würden sehr gerne, können aber nicht, weil der Druck zu groß ist. Mit Druck meinen sie den politischen: Einige
Politiker aus der Region haben selber eine Zweitfrau. Haben also gar kein Interesse daran, dass
das Thema noch mehr Aufmerksamkeit bekommt. Hikmet Delebe, der Vorsitzende der Anwaltskammer
in Urfa, will allerdings reden: Ich erzähle Hikmet Delebe von der Familie,
die ich besucht habe. Erzähle ihm, dass sie gesagt haben wie zufrieden
sind. Und wie geht es Sherihan? Ich gehe mit ihr in einen anderen Raum. Sie spricht nur Kurdisch, deswegen habe ich
einen Übersetzer mit. Noch denke ich, dass auch sie sagen wird,
alles paletti. Und irgendwie denke ich auch, vielleicht ist
sie ja wirklich glücklich. Immerhin ist sie aus dem Kriegsgebiet raus. Wovor hat sie denn Angst? Was waren ihre Ängste? Scheint ja doch nicht alles gut sein? Und, wie geht es ihr jetzt? Sherihan möchte nicht mehr antworten …
Und ich weiß nicht so richtig, was ich machen soll. Ich war eine Stunde bei Sahin und seiner Familie. Ich glaube, ich sollte jetzt besser gehen. Während ich bei Sherihan war, hat Sahin in
die Runde gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, seine Drittfrau zu werden. Was ein Typ ey. Die Szene mit Sherihan nimmt mich ganz schön
mit. Weil am Anfang alle erzählt haben, alles
schön, alles gut. Wir verstehen uns blendend. Und dann ist diese junge Frau, die noch jünger
ist als ich, in Tränen ausgebrochen und konnte halt nicht mehr sprechen. Und du hast einfach nur diese Verzweiflung
bei ihr gesehen und das hat mich echt fertig gemacht. Das hat mich noch den ganzen Tag begleitet. Und ich musste immer, immer wieder an sie denken. Ja. Frauen, die als zweite die Ehe eingehen, so
wie Sherihan haben keinerlei Rechte. Der Staat erkennt sie nicht an, er duldet
sie. Das Tragische: sie hat keinen Anspruch auf
Unterhaltszahlungen, kein Anrecht auf ein Erbe. Wenn sie verstoßen wird, ist sie auf sich
allein gestellt. Mich macht dieser Umstand sprachlos. Ich kann nicht verstehen, dass das gesellschaftlich
geduldet wird. Und muss immer an Sherihan denken. Ob sie sich die Flucht vor dem Krieg so vorgestellt
hat? Ich denke nicht.

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18 thoughts on “Türkei: Das Ehe-Business mit den geflüchteten Frauen”

  • Chandra Calipsa says:

    Ich würde heiraten eine man nur wan er niemnt noch 2 andere für: kochen,putzen,bügeln,waschen und kinder machen für im….. weill für so ein scheiz habe ich keinne Lust und auch keinne Zeit!ich habe vollzeit program mit meine hobys: reiten,schwimmen ,pfeilleboge schießen, Fahrrad fahren, lernen, Fitnes Center gehen und noch fiell mehr…..auch für essen und schlaffen habe ich kannz wenig zeit!Mantschmall darf er mit mir liebe machen aber nur wan ich Lust habe!!Aaaah!fast vergessen….er muss fiell Geld haben auch…..ich koste eine menge Geld!

  • Das selbe problem hat doch Deutschland auch 🙄
    Deutsche heiraten doch auch aus indonesien,indien usw.
    Bin grade neutral aber wieso eine teil von der türkei schlecht machen wenn es bei euch auch so läuft!
    So viele heiraten deutsche wegen besserem leben ist dass nicht im globalem das selbe ?🤔

  • Wieso werden diese Frauen nicht gerettet? Niemand fühlt sich verantwortlich.

    Weils ja ''Typisch Kurdisch oder Türkisch ist''.

    Immer das Sinnlose gelaber im Alltag # Ich bin der Mann, der Beschützer.

    Hier könnte Mann sich beweisen und den Retter spielen.

    Aber NEIN! Typisch Mann. Große Klappe nichts dahinter.

  • Urfa ist die Stadt der Kurden man. Hat NIX mit der Türkischen Kultur zutun amk. wenn s um schlechtes geht heißt es TÜRkei und wenn es um gutes geht wird das Kind beim Namen genannt. Punkto zwei daher hat die zweit frau ja auch so viel Gold am arm ,was ihr Eigenbesitz ist somit ihr Versicherung im Gegensatz zu der ersten frau die nichts hat. Türkleri karaliyorlar., videoyu ceken mal kiz yarim yamalak anlatmis yüzkarasi.sollen die Frauen doch arbeiten und sich nicht unterwerfen.Glaubt mir die machen das freiwillig und gern. Alles SHOW!!!!!

  • Meanwhile in Deutschland: männliche Flüchtlinge nehmen sich deutsche Frauen und bringen so das Geschlechterverhältnis in Ungleichgewicht..

  • Die Reporterin sei angeblich Türkische abstammung- aber sie kennt ihr eigenes land nicht. Es ist seit einigen Jahrzehnten ın geworden die Türkei schwarz zu malen und dabei profitieren…Sie sollte vor allem klar stellen ,dass in der Türkei seit es nicht mehr Osmanisches Land ist keine Zeit ehe gibt und dass Frauen ihr Stimmrecht im Jahre 1926 bekommen haben. Können sie mir sagen wieviel Laendeer in Westlichen Europa haben den Frauen Ihr wahlrecht gegeben und wann ??? Bitte meine Herrschaften Hut ab…

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